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Der Mythos des Multitaskings - Verändere deine Arbeitsweise und werde doppelt so produktiv

Aktualisiert: 2. Nov. 2023


„Menschen verwechseln Produktivität mit Stressbelastung“ sagte der Hirnforscher Martin Korte der Technischen Universität Braunschweig kürzlich im Podcast "Zeitfragen" über die Themen Multitasking und Mental Load.


Moment mal, heißt das etwa, dass Multitasking Stress verursacht? Soll mich das gleichzeitige Abarbeiten von unterschiedlichen Aufgaben nicht eigentlich vor Stress bewahren, da ich einfach viel mehr auf einmal schaffen kann?


Auch die Forschung beschäftigt sich schon länger mit der Frage, wie Multitasking funktioniert. Ist es tatsächlich erstrebenswert, diese lange Zeit von vielen Arbeitgebern geforderte „Fähigkeit“, die mit Produktivität und Effizienz gleichgesetzt wird, zu beherrschen?


Tatsächlich haben Wissenschaftler*innen in den letzten Jahren vermehrt herausgefunden, dass wir Menschen eigentlich nicht in der Lage sind, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen und der Versuch dies zu tun, nicht nur der Ausführung der Aufgaben schadet, sondern auch unserer Gesundheit. Dennoch gilt „gutes Multitasking“ immer noch als Kompliment.



Kennst du das auch auch?


Ich persönlich habe mich oft darüber gefreut, wenn mir gesagt wurde, ich hätte durch mein Multitasking-Talent eine Aufgabe hervorragend erledigt. Ich war stolz auf mein so „fähiges“ Gehirn, das es scheinbar geschafft hat, in kürzester Zeit mehrere Aufgaben gleichzeitig zu jonglieren.


Aber was geht da eigentlich in unseren Gehirnen vor, wenn wir multitasken? Und welche Auswirkungen hat das wirklich auf unsere Produktivität und kognitiven Fähigkeiten?


Lass uns den Multitasking-Mythos einmal genauer betrachten!


Die positiven Meinungen über das Multitasking sind einerseits der Verbreitung von falschen Behauptungen über unser Gehirn geschuldet, andererseits der Entwicklung eines ständig komplexer und schnelllebiger werdenden Lebensumfelds.


Der Alltag der meisten von uns ist angefüllt mit den unterschiedlichsten Aufgaben und einer Informationsflut von E-Mails, SMS, WhatsApp-Nachrichten, Voicemails und Informationen der Sozialen Medien zu jeder Tages- und Nachtzeit, auf mehreren Kanälen gleichzeitig.


Um in dieser Welt klarzukommen, alle Aufgaben zu managen und abends das Gefühl zu haben – „Ich habe viel geschafft“ - ist es verständlich, dass wir Menschen zum Multitasking greifen und uns einreden, dies sei die Lösung für die ständigen Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen.


Multitasking kann uns das Gefühl geben, alle Fäden in der Hand zu haben.


Und, wenn es mal nicht so läuft wie wir möchten, geben wir uns schnell selbst die Schuld. Das Abendessen kochen, nebenbei dem Kind bei Mathe helfen und noch schnell die letzten Emails des Tages beantworten – das kann doch nicht so schwer sein, andere schaffen das auch! Immerhin sind wir anpassungsfähige Wesen und Multitasking ist demnach reine Übungssache, ein Gehirn braucht eben Training… Oder?


Laut der Wissenschaft ist dem nicht so!


Der Hirnforscher Martin Korte erklärt, dass sich unsere Gehirne tatsächlich überhaupt noch nicht an unsere aktuellen Lebensbedingungen angepasst haben.


Die Prozesse der Evolution wie Mutation und Selektion, mit welchen wir uns an verändernde Lebensumstände angepasst haben, funktionieren viel zu langsam, um sich an die Entwicklungen unserer Welt der letzten 100 Jahre funktionell zu gewöhnen.


Unsere Gehirne bestehen also heute aus der gleichen genetischen Komposition wie unsere Gehirne vor 30-40.000 Jahren.



Wie wenig Multitasking funktioniert, hat vor kurzem wieder eine wissenschaftliche Studie aus Texas gezeigt.


Man gab Studierenden eine Klausur (von der die Studenten auch annahmen, sie würde bewertet) und teilte die Teilnehmenden in drei Gruppen auf.


Der ersten Gruppe erlaubte man kein Smartphone, sie durften nur einen Stift mit in die Klausur nehmen. Die zweite Gruppe sollte ihr Smartphone mitbringen, musste es aber ausgeschaltet und umgedreht auf den eigenen Tisch legen, während die dritte Gruppe das Smartphone sogar angeschaltet und empfangsfähig benutzen konnte – allerdings nur zur Beantwortung von Nachrichten und Mails und zum Scrollen in den Sozialen Medien, nicht zur Unterstützung für die Klausuraufgaben.


Die Studie ergab, dass die Gruppe, die tatsächlich mit dem Smartphone während der Klausur interagierte, am schlechtesten abschnitt. Spannend ist, dass die Gruppe, die das Smartphone nur ausgeschaltet auf dem Tisch liegen hatte, auch signifikant schlechter abschnitt, als die Gruppe ohne jegliche Ablenkung.


Die Forscher*innen erklären zu diesem Phänomen, dass auch ein ausgeschaltetes Smartphone im Sichtfeld eines Menschen ein großes Ablenkungspotential besitzt und 98 Prozent aller Menschen schon bei dieser Art „Multitasking“ (eine Aufgabe erledigen, während das ausgeschaltete Telefon daneben liegt) scheitern, bzw. schlechter arbeiten als Menschen ohne Ablenkung.


Wir merken es meistens nicht bewusst, aber unser Gehirn kann zwei Dinge nicht zur selben Zeit bearbeiten, sondern wechselt einfach in einem immensen Tempo zwischen den beiden Aufgaben hin und her.


Wenn wir nun also versuchen, Dinge gleichzeitig zu erledigen, machen wir laut einer Studie zu kognitiven Prozessen beim Aufgabenwechsel 40 % mehr Fehler, als wenn wir unsere Aufgaben nacheinander erledigen würden.


Selbst wenn wir also das Gefühl haben, viele Dinge gleichzeitig zu erledigen und dabei erfolgreich zu sein, brauchen wir fast doppelt so lang für die Erledigung dieser Aufgaben, als wenn wir sie nacheinander bearbeiten und uns auf jede einzelne wirklich konzentrieren würden.


Obwohl Multitasking uns ein Gefühl der Leistungsfähigkeit vermitteln kann, behindert es in Wirklichkeit somit unsere Produktivität. Das Gehirn benötigt Zeit und Energie, um seine Aufmerksamkeit von einer Aufgabe auf eine andere umzustellen. Jedes Mal, wenn wir die Aufgaben wechseln, geht Effizienz verloren, da unser Gehirn einige Momente braucht, um sich anzupassen. Dieses ständige Hin- und Herschalten verlangsamt uns tatsächlich und beeinträchtigt die Qualität unserer Arbeit.


Das unser Gehirn trotzdem oft von sich behauptet, ein erfolgreicher Multitasker zu sein, liegt daran, dass die ständige Stimulation durch den Wechsel zwischen Aufgaben kleine Dopamin-Ausschüttungen auslöst, ein Neurotransmitter, der mit Belohnung und Motivation verbunden ist. Diese Dopamin-Spitzen lassen uns glauben, dass wir produktiver arbeiten, als wir es eigentlich tun und verstärken die Gewohnheit des Multitaskings zusätzlich weiter.



Doch kommen wir zurück zu der Anfangsaussage unseres Artikels: „Produktivität wird oft mit Stressbelastung verwechselt“…


Denn nicht nur aufgrund der stark reduzierten Leistungsfähigkeit sollten wir Multitasking hinterfragen! Die Wissenschaft konnte beweisen, dass dieses Verhalten auch gesundheitsschädigend für uns sein kann.


Studien zeigen, dass während des Multitaskings der präfrontale Kortex unseres Gehirns, der für Entscheidungsfindung und Problemlösung verantwortlich ist, überfordert wird. Dies führt zu einer verminderten Denkleistung und beeinträchtigt unsere Fähigkeit Prioritäten zu setzen, zu organisieren und Ablenkungen effektiv auszublenden.


Diese Überbelastung unseres Informationsverarbeitungssystems wiederum kann zu erhöhtem Stress und damit zu Ausfällen im Hippocampus führen.

Denn, wenn zu viele Stresshormone ausgeschüttet werden, um die Energiezufuhr zum Gehirn zu verbessern, kommt es häufig zu einer Stoffwechsel-Überreaktion.


Große Mengen an Sauerstoff werden in solchen Situationen verbraucht und die sensiblen Nervenzellen im Hippocampus reagieren auf die Überflutung, indem sie ihre Funktion völlig einstellen.


Der Transport von Informationen vom Hippocampus in die Großhirnrinde kann dann nicht mehr stattfinden. Dies kann so weit gehen, dass in sehr stressigen Situationen überhaupt keine Information mehr abgerufen werden können.

Hippocampus

Kognitive Einschränkungen, reduzierte Leistungsfähigekit und Stress – spätestens jetzt wird klar: es ist dringend notwendig, unsere Einstellung zum Multitasking grundlegend zu verändern! Wir brauchen bessere und neue Gewohnheiten, die uns helfen, mit unserem Alltag zurecht zu kommen - ohne dass wir unseren Körper und unser Gehirn mit Stress überfluten.


Diese Aufgabe mag dir im Hinblick auf unsere vielseitige und schnelllebige Arbeitswelt unmöglich erscheinen – ABER das ist sie nicht!


Auch ein sehr beanspruchtes Gehirn ist in der Lage, sich zu sortieren, zu fokussieren und Aufgaben effizient zu erledigen. Es ist sogar in der Lage sich dabei glücklich und zufrieden zu fühlen!


Ein Beispiel für einen solchen Zustand ist der Flow-State.


Der Flow-State ist ein schwer zu beschreibendes Gefühl, bei dem alles um einen herum in den Hintergrund rückt. Wenn du im Flow bist, bist du völlig in eine Tätigkeit vertieft, so dass du das Zeitgefühl verlierst oder äußere Ablenkungen gar nicht erst zu dir durchdringen. Während dieses Zustands entsteht ein Gefühl der mühelosen Aufmerksamkeit auf die aktuelle Aufgabe, was eine belebende Erfahrung sein kann.


Grundsätzlich sollten wir uns immer lieber auf eine Aufgabe fokussieren und diese mit höchstmöglicher Konzentration bearbeiten.

Achte darauf, Ablenkungen zu minimieren, setzte dir realistische Ziele und finde das richtige Verhältnis zwischen Anforderung und Fähigkeit.

Das Fokussieren auf nur eine Aufgabe steigert deine Konzentration, Kreativität und Problemlösungsfähigkeit, was zu was zu qualitativ hochwertigerer Arbeit und höherer Effizienz führen wird.



Du hättest gern Hilfe bei der Umgestaltung deiner Arbeitsweise oder die deiner Mitarbeiter*innen?


Du hast nun viele Fragen im Kopf wie:

  • Wie kann ich meinen Alltag strukturieren, um wirklich bei der Sache zu bleiben?

  • Wie sollte ich Prioritäten setzen, um alle meine Aufgaben fair und gewissenhaft zu schaffen?

  • Wie schalte ich Gedankenkarussell erfolgreich ab, was mich zusätzlich von der Erledigung meiner Aufgaben abhält und stresst?

  • Habe ich nicht einfach zu viel zu tun, um es nacheinander abarbeiten zu können?

  • Wie steigere ich meine Lebensqualität trotz vieler Aufgaben, Arbeit, Freunden und der Familie?

  • Wie kann ich mich trotz der fortschreitenden Digitalisierung und den gesundheitlichen Folgen der Corona Pandemie geistig und körperlich fit halten?


Die Antworten auf all diese Fragen liegen in deinem Gehirn!


Wir von Proventika bieten dir und deinen Mitarbeiter*innen verschiedene Workshops und Seminare u.a. zu den Themen:

  • Stress

  • Zeitmanagement

  • Selbstmanagement

  • Changemanagement

an.


Alles schon einmal gehört, sagst du?


Du hast sogar schon mal einen Kurs belegt und am Ende hat es nicht wirklich geholfen?


Wahrscheinlich wurde dir nicht erklärt, was dein Gehirn mit all dem wirklich zu tun hat und wie du mit deinem Wunderorgan umgehen solltest, um dein Verhalten deinen persönlichen Wünschen und Lebensvorstellungen anzupassen.


Natürlich gleichen wir unsere Angebote immer den individuellen Wünschen unserer Kunden an. Wir nutzen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Hirnforschung und darauf basierende Methoden und Techniken, um dir den richtigen Umgang mit deinem Gehirn (und den Gehirnen anderer 😉) und damit deinem Alltag zu erleichtern.


Lass dich auf eine informative und spannende Entdeckungsreise ein.


Es droht keine Wiederholungsgefahr – was wir dir und deinen Mitarbeiter*innen beibringen, wirst du in keinem Workshop zuvor so gehört haben.


Ein klareres Verständnis der Funktionsweise deines Gehirns und der deiner Mitmenschen, wird dir viele ungeahnte Türen, zu mehr Leistungsfähigkeit, Kreativität, Gesundheit und Wohlbefinden öffnen.


Wir freuen uns auf dich!

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